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Ein Bericht aus Hermigua
Der Trockenpflaumenclub
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Auf der romantischen Terrasse des sozialen und kulturellen Zentrums der Gemeinde mit dem besten Klima der Welt, treffen sich die noblen Damen der besseren deutsch-gomerianischen Provinzgesellschaft regelmäßig zu Kaffee und Kuchen (aber bitte mit Sahne!) Großherzogin Cecilia, auf deren Gütern abseits des Ortskerns die dicksten und die süßesten Bananen der ganzen Insel wachsen (sollen), versammelt dann zweistöckige Friseusinnen, einäugige Fotografinnen und spindel-dürre Exmodelle, Exsoziologinnen, Exlehrerinnen, Exreikihandauflegerinnen und ähnlich prominente Persönlichkeiten um sich. Alle schon reichlich abgehangen, aber dennoch voll engagiert im gesellschaftlich-liebevollen Leben unserer „Lindenstraße“.
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All die Damen sind ja schon etwas länger hier, so lässt sich an ihnen beobachten, dass die gomerianische Sonne nicht immer nur Gutes tut. Alle wissen alles (und was sie nicht wissen, das wissen sie besser), sind aber mit Hilfe, Auskünften und Freundlichsein, ausgesprochen sparsam. Man ist schließlich wer. Man ist die Elite. Man weiß, wo die Banane hängt.
Also behandelt man alle Frauen, deren Busen noch nicht zwischen den Knien hängt, oder auf Rosinengröße geschrumpft ist, abfällig und vor allem sehr blasiert. Man grüßt mit schmalem Mund und kurzem Nicken. Gespräche mit den niederen Frauen, die nicht im „Club“ akkreditiert sind, gelten als ausgesprochen unerwünscht.
„Ganz ungünstig ist“, erzählt eine Insiderin, „wenn man einen Kerl hat. Dann ist man völlig indiskutabel“. Mit Männern hat die illustre Runde faltiger Schrumpfgermaninnen nichts, aber auch gar nichts am Hut.
Aufblühen tut sie dann aber merkwürdigerweise doch, ja, geradezu zu strahlenden Blüten erblühen die späten Damen, wenn sich ein männliches Wesen ohne Damenbegleitung ihrer Runde nähert. Dann wird der Rücken gerade, die Haut straff und der Blick leuchtend. Der Charme sprüht, die Bonmots fliegen über die roten Plastiktische. Denn: Sinn und Zweck des Clubs scheint im Endeffekt doch zu sein, die runzelnde Trockenzeit zu beenden und - bevor es endgültig zu spät ist - doch noch einmal einen Mann zu angeln.
Egal wie der aussieht. Aldilette mit weißen Socken am Fuß, Bauch überm Bund der kurzen Hose, debil, Alkoholiker, macht alles nichts. Er wird mit plötzlich aus dem femininen Unterbewusstsein aufscheinendem Charme eingefangen, abgeschleppt, und mit allem, was die Dorfapotheke hergibt, betört und benebelt.
Leider dauern diese amourösen Abenteuer nie sehr lange, denn der Auf-den-Leim-Gegangene ist ja gebunden, nur auf Urlaub da oder ihrer bald schon wieder überdrüssig. Das hat jedes Mal zur Folge, dass der Club noch treuer zusammenhält, sich gegenseitig noch mehr stützt (in diesen schweren Zeiten) und sich stets versichert, dass es doch wohl am besten sei, wenn man alleine und unter sich bleibt. Zum Teufel mit den Männern, die irgendwie ja doch alle nur Schweine sind.
Sollten Archäologen - vielleicht in ein paar tausend Jahren - dann die sensationelle Entdeckung machen, dass es auf Gomera luftgetrocknete Mumien gibt, dann sind das ganz bestimmt die Mädels vom Club der trockenen Pflaumen“.
Hoch und heilig mussten wir versprechen, die Autorin dieser Geschichte, die selbst am Ort des Geschehens wohnt und Repressalien befürchtet, absolut geheim zu halten. Für die seriöse Presse ist Informantenschutz ja auch eine Selbstverständlichkeit. Rückfragen bei der Redaktion „Wer hat Euch das erzählt?“ sind daher absolut zwecklos.
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