La Gomera - Der Valle-Bote: Auf Gomera geliebt - in der Welt beachtet

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Editorial
Lieber Leser
Veränderungen auf dem Heimtiersektor

Mehr als einhundert Millionen Euro verballerte Deutschland in der letzten Sylvesternacht. Das war nicht etwa total bescheuert. Oh nein. Das war (O-Ton Deutsches Fernsehen) „der schöne, alte Brauch, zum Jahreswechsel die bösen Geister zu vertreiben“.


Aha. Brauchtum. Deutsche Leitkultur. Wie Bäume absägen und ins Wohnzimmer stellen. Dient alles der Binnennachfrage und dem Wirtschaftswachstum. Rinjehau´n! Wir auf Gomera, wir sind ja die Bekloppten.


 


Der Pendlerfreibetrag wird beibehalten. Gott sei Dank. Dafür wird - als Gegenfinanzierung - die Eigenheimzulage gestrichen. Da kann man jetzt billig von seinem Haus auf dem Lande, das man ja nicht mehr bauen kann, zur Arbeitsbeschaffungsmaßnahme fahren, die ihrerseits über Kürzungen bei den Renten gegenfinanziert wird. Andersherum wäre es ja eigentlich besser: Eigenheimzulage beibehalten und dafür als Gegenfinanzierung die Pendlerpauschale streichen. Dann käme man zwar nicht mehr zur Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (deren Einsparungen man allerdings zur Gegenfinanzierung einer Erziehungsbeihilfe verwenden könnte), hätte aber ein hübsches Haus im Grünen. Die Hypotheken bezahlt das Sozialamt und gegenfinanziert wird die Sache dann über Kürzungen bei der Gesundheitsreform, die ihrerseits wieder über eine Anhebung der Tabaksteuer gegenfinanziert werden. Wenn man nicht mehr zur Arbeit fahren muss, dann hat man ja auch mehr Zeit, sich um die Zeugung deutschen Nachwuchses zu kümmern, der die Renten von Morgen sichert, die man anderenfalls ja wieder über Kürzungen in der Raumfahrt gegenfinanzieren müsste, was Arbeitsplätze ohne Ende kostet, die nur über Hartz IV bezahlt und über Einsparungen im Bildungshaushalt gegenfinanziert werden könnten.


Aber, wie gesagt, die Behämmerten sind ja wir. Keinesfalls die deutschen Politiker. I wo.  


 


Reklame sollen wir machen. Möglichst viel und möglichst kostenlos. Aber sagen sollen wir das natürlich nicht. Wie beim gebührenfinanzierten Deutschen Fernsehen. Da darf sich die Reklame in die Telenovelas ja auch nur ein- “schleichen“. Soll keiner merken.


Nun „merken“ das die hirntoten Freunde deutscher Nachmittagsunterhaltung offensichtlich ja auch wirklich nicht, wenn ihnen da Alldays-Ultra-Binden als dekorative Kaffeeuntersetzer untergejubelt werden sollen. Kann man also ruhig versuchen. Bei den Lesern des Valle-Boten allerdings möchten wir doch lieber von derartigen Hinterfotzigkeiten absehen. Die merken das nämlich. Die gucken keine Telenovelas. Wenn wir also redaktionell „Reklame“ für unsere Anzeigenkunden machen, dann sagen wir das auch. Ist doch keine Schande. Und all unseren neuen Nichtrauchern, die sich so furchtbar  über den Begriff „Reklameseite“ in unserer letzten Ausgabe aufgeregt haben, denen empfehlen wir saure Drops. (Gibt´s übrigens bei „Chuchelandia“ in Vueltas).


 


Natürlich freuen wir uns über Leserbriefe. Vor allem über solche, die uns Lobekränze winden. Aber auch alle anderen sind willkommen. Und wir drucken sie - zumindest auszugsweise - auch immer gern ab. Ahaber:


Nicht wenige unserer lieben Mitbürger/Innen kommen ja auf die geniale Idee, all ihre Freunde aufzufordern, tüchtig Leserbriefe an den Valle-Boten zu schreiben, um so indirekt redaktionellen Einfluss zu nehmen. Entweder gibt es da die Freundin, die sich über die fantastische Qualität eines Restaurants auslässt, oder es gibt den guten Freund, der sich für das Angebot seines Wandervogel-Spezis total begeistert. Und alle meinen, wir merkten das nicht.


Neuerdings aber werden Leserbriefe auch dazu benutzt, sich gegenseitig “von hinten durch die kalte Küche” öffentlich anzuwichsen. Da wird eine (angeblich durchgeknallte) Pferdehalterin des “Burro-Parques” verwiesen, woraufhin sich diese (angeblich) dadurch rächt, dass sie (angebliche) Missstände via Internet und böser Nachrede in Umlauf bringt. Und schon laufen beim Valle-Boten die Mailboxen über.


Zwar bemühen wir uns die Sache so einigermaßen “ausgewogen” darzustellen, aber weder die eine, noch die andere Seite fühlt sich in ihrer Sicht der Dinge befriedigend gewürdigt. Schließlich ist ja stets nur die eigene Wahrheit die wahre Wahrheit.


Und schon schwillt der Strom der Gegendarstellungen und Gegengegendarstellungen und gegenseitigen Klagen und Gegenklagen an, wie der Urinoco zu Zeiten der Fiesta del Carmen.


Damit nicht genug. Weil ja bekanntlich eine alte Bauernregel besagt, dass viel viel hilft, kommen viele (und vor allem lange) Leserbriefe, die wir dann auch noch “ALLE ungekürzt und unverändert” abdrucken müssen, wollen wir uns nicht dem Vorwurf böswilliger Einseitigkeit aussetzen und damit unsere “Überparteilichkeit” aufs Spiel setzen.


Langsam ist es auf Gomera genau wie im wahren Leben. Zwar haben wir noch keine Hamsterkäfige mit Balkon und wir treiben zum Jahresende auch noch keine bösen Geister mit polnischem Billigfeuerwerk aus, aber ansonsten holt uns die weltweite “Normalität” immer mehr ein. Insel der Beknackten? Gott bewahre!


 


Einmal, liebe Freunde, ein einziges Mal wollen wir nun in dieser Ausgabe über unseren Schatten springen und zwei zusätzliche Seiten einseitiger Leserbriefe abdrucken. Damit ist dann aber auch das Ende der Fahnenstange erreicht. Wenn Euch das immer noch nicht genügt, dann druckt Euch Telefonbücher und verteilt sie zum Sonnenuntergang an der Playa.         



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abraxas

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